Landes- und Bundesbehörden verheimlichen weiterhin genaue Gefahrenlage vor Helgoland

PE 16.06.2009

Zum Vorgehen der Landes- und Bundesbehörden bezüglich des Fundes von 90 Tonnen Giftgasgranaten vor Helgoland, erklärt der grüne Bundestagsabgeordnete aus Schleswig-Holstein, Rainder Steenblock:

Das Vorgehen der beteiligten Ministerien auf Landes- und Bundesebene ist nicht länger hinnehmbar. Anstatt weiter nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ zu verfahren, müssen endlich klare Zuständigkeiten benannt, den Vorgaben der EU Folge geleistet und die von den Munitionsaltlasten ausgehenden Gefahren aufgeklärt werden. Unabhängige Experten müssen verstärkt eingebunden werden.

Im letzten Jahr entdeckte der Meeresbiologe und Munitionsaltlasten-Experte Dr. Stefan Nehring in Archiven brisante Behördendokumente, die zweifelsfrei belegen, dass am Meeresboden vor Helgoland 90 Tonnen Giftgasgranaten lagern. Sie enthalten das Nervengift Tabun, ein Kampfstoff aus Zeiten des Dritten Reiches. Nach einem beachtlichen Medienecho entfalteten die Behörden zunächst hektische Aktivitäten. So untersuchte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) im Januar 2009 die vermuteten Fundstellen vor Helgoland und entdeckte tatsächlich „mehrere große Haufen“.

Die Gefahren für die Fischerei, die Schifffahrt und für die Bewohner und Besucher Helgolands sind immens. Dennoch sind die Ergebnisse der Untersuchungen des BSH bisher nicht öffentlich. Auch die Kieler Behörden hüllen sich weiter in Schweigen. Experten warnen davor, dass die von den Munitionsaltlasten ausgehenden Gefahren durch steigende Rostungsgrade weiter zunehmen. Ein schnelles Handeln wäre aus einem weiteren Grund angebracht: In der seit April 2008 geltenden Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie fordert die EU die Mitgliedsstaaten auf, bis 2010 den Zustand ihrer Gewässer zu untersuchen, gefährliche Stoffe zu überwachen und zu melden.

Unsere niedersächsischen Nachbarn haben den dringenden Handlungsbedarf offensichtlich erkannt: Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) kündigte an, die Belastung des Meeresbodens „so schnell wie möglich“ untersuchen zu lassen. Sander wörtlich: „Wir klären das auf.“ Eine solche Aufklärung wäre auch bezüglich der Munitionsfunde vor Helgoland wünschenswert.

Im Rahmen der Sendereihe „Abenteuer Wissen“ widmet sich das ZDF am Mittwoch, den 17. Juni 2009, um 22.20 Uhr in einem Beitrag u.a. den Giftgasgranaten vor Helgoland.

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